Eric Giebel




1965 geboren, lebt und arbeitet als Schriftsteller und Blogger in Darm­stadt.

Einzelveröffentlichungen:
Im roten Sand, Erzählung, Pop Verlag, Ludwigsburg 2016,
Quecksilber in Manteltaschen
, Gedichte, Pop Verlag, Ludwigsburg 2015

Literaturblog: www.vitabuvingi.de

 

 

und dann baute ich mein erstes gedicht
in den roten sandstein. es war brüchig.
ohne fundamente gestapelt, hielt es
dem druck nicht lange stand. die worte
stürzten auf mich ein. begruben mich.

die trümmerkeile bildeten hohlräume,
luftblasen. reglos, starr, holte ich atem.
von aussen steckten sie ein kreuz drauf.
ich sah sie nicht weinen, verabschiedete
vater, mutter und meinen großen bruder.


in dieser enge richtete ich mich ein, trug
die gesteinsschichten ab. die fingernägel
arbeiteten sich zum erdmittelpunkt: ¡yo!
ich spürte hitze. sie kam alleine aus mir.
sie kam als wut. unablässig brüllte ich.

in meinem haus, jenem schacht, hörte nie
jemand das selbstmitleid, die hasstiraden.
museales zeugnis der frühen erdbaukunst,
gewähre ich mir rückblick: ich kann sagen,
ich habe im gedicht meine jugend überlebt.

aus dem zyklus: »zuhause«
in: »Quecksilber in Manteltaschen«